„Was lange währt…“ Unter diesem Motto hätte unser Tag am Bach im Rahmen des „FLOW“-Projektes stehen können. Seit 2019 hält unser Verein den Kontakt zu den Projektverantwortlichen. Leider musste der ganz praktische Beginn immer wieder – zuletzt durch die Pandemie-Situation – verschoben werden, bevor Mitte Juni 2021 endlich viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene unseres Vereins ganz praktisch an diesem spannenden und lehrreichen Projekt teilnehmen konnten. „FLOW“ steht für: „Fließgewässer erforschen – gemeinsam Wissen schaffen“ und ist ein sogenanntes Citizen Science-Projekt, also eines, bei dem es um die aktive Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an Forschungsprojekten geht. Konkret soll dieses auf mehrere Jahre angelegte Projekt eine quantitative Einschätzung zum Einfluss von Pflanzenschutzmitteln und anderen gewässerschädlichen Stoffen aus diffusen Quellen der Landwirtschaft auf kleine und mittlere Fließgewässer ermöglichen. In einer zweijährigen Pilotstudie wird deutschlandweit an jährlich 70 Messstellen die Belastung durch Pflanzenschutzmittel sowie deren ökologische Folgen erforscht.

Unser Verein hatte zunächst gehofft, den von ihm selbst betreuten Gewässerabschnitt der Großen Röder im Seifersdorfer Tal sowie darüber hinaus die Kleine Röder und die Pulsnitz beproben zu können. Leider konnte das im Projektjahr (noch) nicht der Fall sein. Stattdessen stand der Kettenbach im Dreieck zwischen Großenhain, Radeberg und Königsbrück im Zentrum unserer Beobachtung.

 

 

Projektleiterinnen Julia von Gönner und Lilian Neuer erwarteten uns bereits im Umweltmobil auf einer Grünfläche am Bach. Gemeinsam bauten wir einen großer Pavillon, Klapptische und – stühle, Mikroskope, Leitfäden, Wasserschalen für die gesammelten Bachbewohner und vieles mehr auf. Nach einer Einleitung zu den Lebensbedingungen der im Bach lebendenden Makroinvertebraten (wirbellose Kleintiere, u.a. Insekten), deren Vorkommen oder Fehlen Rückschlüsse auf die Gewässergüte geben, wies uns das Projektteam in die Aufgabenstellungen ein. Drei verschiedene Teams untersuchten dann jeweils die Gewässerstruktur, die chemisch-physikalische Zusammensetzung des Baches und die dortigen Lebensgemeinschaften der Makroinvertebraten. Nach Beendigung der Kartierung der Gewässerstruktur arbeitete das erste Team mit den anderen zusammen.

 

 

Bis zum Nachmittag sammelten wir vorsichtig die verschiedensten Libellen-, Köcher- und Eintagsfliegenlarven, u.a. Egel, Fischlein, Schnecken aus den Sedimentproben, ordneten diese in die bereitgestellten Wasserschalen und versuchten die genauere Bestimmung. Am Ende des Projekttages waren wir gespannt auf das sich aus allen gesammelten Parametern ergebende Ergebnis der Gewässergüte, die von 1 (sehr gut) bis 5 (schlecht) reichen können. ‚Unser‘ Bach hatte leider nur eine 3 (mässig). Insbesondere war der Nitratgehalt zu hoch, was auf den Eintrag vom Düngemitteln schließen ließ. Dass oft schon kleine Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässergüte helfen können, lernten wir ebenfalls. Insbesondere dem Kettenbach würde es helfen, wenn seine Ufer nicht bis an den Bachrand gemäht würden. So bliebe der Bach an heißen Tagen beschattet und würde über einen höheren Sauerstoffgehalt verfügen können. Natürlich wäre auch ein Verzicht auf die Düngung bzw. Ausbringung von Gülle in seiner direkten Nähe sehr hilfreich.

 

 

Zu lernen, wie unseren Gewässern geholfen werden kann und was wir selbst manchmal auch dazu beitragen können, die Lebewesen des Baches genauer kennen- und bestimmen zu lernen, aber auch die Tatsache, dass wir nach allen möglichen abgesagten Veranstaltungen in diesem Corona-Jahr endlich wieder einmal mit vielen und gemeinsam etwas unternehmen konnten, war eine wunderbare Erfahrung.
Wir hoffen auf eine Gelegenheit, das Projekt auch irgendwann einmal an ‚unserem‘ Gewässer durchführen zu können und neues darüber erfahren zu können. Wer sich detaillierter über die Intention, Projektphasen und – partner oder die Abläufe informieren möchte, findet hier im Aktionsheft Informationen.

 

Vielen Dank allen Beteiligten, vor allem Julia von Gönner!

 

*FLOW ist ein Projekt des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv), des HelmholtzZentrums für Umweltforschung (UFZ, Leipzig), der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt (LaNU) und des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND). Es wird gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

 

Beitrag & Fotos: Antje Friedrich

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